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Atmosphäre, Effektivität, Ethik: Was gute von schlechter Führung unterscheidet

Klar: Es gibt gute und schlechte Führungskräfte. Doch was macht gute und schlechte Führung eigentlich aus? Die Literatur unterscheidet hier anhand der Merkmale Effektivität und Ethik. Gute Führungskräfte handeln effektiv und ethisch, schlechte Führungskräfte ineffektiv und unethisch. Der Kunst der atmosphärischen Führung geht das nicht weit genug: Sie fordert die Atmosphäre als drittes Merkmal. Dieser Blog nennt die Gründe.

Attraktive und repulsive Führung

Atmosphärisch gesprochen kann Führung attraktiv oder repulsiv sein. Bei Attraktion besteht zwischen Führungskraft und geführter Kraft eine positiv-anziehende, bei Repulsion eine negativ-abstoßende atmosphärische Wirkung. Finden sich beide z. B. sympathisch, teilen sie eine attraktive Bindung zueinander, während sie sich bei Antipathie repulsiv gegenüberstehen. Attraktion und Repulsion sagen nicht nur etwas über die Beziehungsqualität zweier Menschen aus, sondern sie beeinflussen wesentlich deren Kommunikation(serfolg).

Attraktive Führung betont das Gemeinsame und wirkt motivierend. Repulsive Führung beruht dagegen auf Zwang; sie betont den hierarchischen Unterschied zwischen Führungskraft und Mitarbeiter*in und sieht Letztere im besten Fall als Mittel zum Zweck. Dies kann aus Sicht der Organisation zwar effektiv sein, geht jedoch immer zu Lasten der Mitarbeiter*innen, da diese nur gefordert, aber nicht gefördert werden. So wie attraktive Führung ein wichtiger Baustein guter Führung ist, so ist repulsive Führung ein klarer Fall von schlechter Führung.

Effektive und ineffektive Führung

Führung sollte zudem effektiv sein. Damit ist gemeint, dass Führungskräfte sicherstellen müssen, dass sich die Mitarbeiter*innen in ihrem Verhalten an der Mission und den Zielen einer Organisation ausrichten. Ein gut funktionierender Austausch der Perspektiven ist hierfür ebenso wichtig wie ein affektiv-attraktives Commitment, sich der Mission anzuschließen und die Erreichung der Ziele zu unterstützen. In den meisten Fällen ist effektive Führung daher auch attraktive Führung.

Es gibt aber Ausnahmen. Ein Vorgesetzter, der Untergebene tyrannisiert und schikaniert, kann immer noch in Übereinstimmung mit den Zielen der Organisation handeln und die effektive Erfüllung der Aufgaben sicherstellen. Umgekehrt kann eine Führungskraft zwar eine attraktive Bindung mit den Mitarbeiter*innen teilen, muss deshalb aber noch lange keine effektive Führungskraft sein (vgl. Einarsen/Aasland/Skogstad 2007, S. 211). Effektivität und Attraktion sind daher zwei verschiedene Merkmale guter Führung. Dies gilt analog für Ineffektivität und Repulsion in Bezug auf schlechte Führung.

Ethische und unethische Führung

Auch bei der ethischen Führung spielt die Attraktion eine wesentliche Rolle. So wird z. B. von ethischen Führungskräften erwartet, dass sie ehrlich, vertrauenswürdig und fürsorglich gegenüber den Mitarbeiter*innen agieren. Im Kontrast dazu sind repulsive Verhaltensweisen wie das Beschuldigen von Untergebenen für Fehler oder das Ausüben von Druck typische Merkmale unethischer Führung.

Dass ethische und attraktive bzw. unethische und repulsive Führung dennoch zu unterscheiden sind, zeigen auch hier die Ausnahmen. So haben beispielsweise charismatische Führungskräfte eine sehr anziehende, d. h. attraktive Wirkung, aber sie können ihr Charisma ebenso missbrauchen, um andere hinters Licht zu führen und auf ihre Kosten persönliche Ziele zu erreichen. Forscher nennen dies die dunkle Seite des Charismas (vgl. Sankowsky 1995, S. 64). Ebenso heißt ethische Führung nicht automatisch attraktive Führung. Bei moralischem Fehlverhalten ist es geradezu die Pflicht der Führungskraft, die Übeltäter*innen repulsiv zurechtzuweisen.

Drei Merkmale guter und schlechter Führung

Im Ergebnis zeigt sich also, dass (1) attraktive Führung, (2) effektive Führung und (3) ethische Führung drei Merkmale guter Führung sind, und schlechte Führung umgekehrt auf den drei Merkmalen (1) repulsive Führung, (2) ineffektive Führung und (3) unethische Führung beruht.

Wie nachfolgende Abbildung zeigt, ergibt sich aber noch ein weiterer, ganz zentraler Unterschied zwischen guter und schlechter Führung. Gute Führung braucht alle drei Seiten: ein gutes Verhältnis mit den Geführten, eine effektive Verfolgung der Mission und der Ziele der Organisation und ein ethisches Fundament. Für schlechte Führung reicht es dagegen aus, wenn nur eines der drei Merkmale über längere Zeit hinweg erfüllt ist. Dies dürfte sogar eher die Regel sein. Denn eine Führungskraft, die gleichzeitig repulsiv, ineffektiv und unethisch agiert, hat entweder Narrenfreiheit oder bald keinen Job mehr.

Literatur

Einarsen, Ståle/Aasland, Merethe S./Skogstad, Anders: Destructive leadership behaviour: A definition and conceptual model, in: The Leadership Quarterly 18 (3/2007), S. 207-216

Sankowsky, Daniel: The charismatic leader as narcissist. Understanding the abuse of power, in: Organizational Dynamics 23 (4/1995), S. 57-71

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